Heilkräuter-Oase mit Frauen-Power

Der Heilkräutergarten

Der Heilkräutergarten Hevrîn Khalaf ist ein Projekt des Berliner Vereins Flamingo. In der grünen Oase im Westen Neuköllns hat das Netzwerk für geflüchtete Frauen und Kinder ein kleines Kräuter-Paradies geschaffen – und einen interkulturellen Ort, an dem aus alten, überlieferten Rezepten ökologisch nachhaltige Tees, Öle und Cremes entstehen. Das Gelände des Jacobi-Friedhofs liegt mitten in Berlin-Neukölln. In der grünen, stillen Oase an der belebten Hermannstraße wird jedoch nicht nur der Toten gedacht, es entsteht auch neues Leben. Am östlichen Rand des Parks, direkt neben den Prinzessinnengärten, wird gesät, gepflegt und geerntet. In mehreren Gemeinschaftsgärten treffen sich täglich Menschen, die sich für regionale, saisonale und ökologische Landwirtschaft einsetzen. Ein Gemüse- und Kräuter-Paradies im Herzen der Hauptstadt.

Eines dieser kleinen, grünen Einode ist der Heilkräutergarten Hevrîn Khalaf des Vereins Flamingo e.V., einem Berliner Netzwerk für geflüchtete Frauen und Kinder. Seit Frühjahr 2020 wird die vormals verwilderte Gartenfläche nachhaltig und klimafreundlich bewirtschaftet.

Dank der finanziellen Unterstützung der Deutschen Postcode Lotterie steht dort mittlerweile ein mit Solarpanelen bedeckter Bauwagen, zahlreiche Hochbeete verteilen sich auf insgesamt 500 Quadratmeter. Zwischen Rosmarin, Thymian und Salbei werkeln mehrere Frauen, die dafür sorgen, dass alles wächst und gedeiht. Für die Projektleiterin Anuscheh Amir-Khalili ist der Kräutergarten nicht nur ein ökologisch nachhaltiges Projekt, sondern auch „ein Ort um Kraft zu schöpfen, sich weiterzuentwickeln, sich friedlich, ökologisch, gemeinschaftlich, basis-demokratisch und vor allem herzlich miteinander zu verbinden.“ Neben dem gemeinschaftlichen Gärtnern werden auch Workshops angeboten – zur Herstellung von Tees, Salben, Medizin und Ölen. „Wir wollen altes Wissen über alternative Rezepte und Heilungsmethoden aus der Naturkunde festhalten, bewahren und weitergeben”, sagt Anuscheh. Dieses Wissen haben die Frauen aus dem Norden Syriens importiert. Dort, in der von Kurden bewohnten Region Rojava, liegt der Partnerort des Projekts: das Frauendorf Jinwar.

Nach Jinwar (kurdisch für „Ort der Frauen”) fließen die Erlöse des Neuköllner Vereins. Von dem Geld, das die Kräutertees, Öle und Cremes einbringen, soll ein Gesundheitszentrum für geflüchtete Frauen und Kinder entstehen. Die Berlinerinnen wiederum profitieren vom Mut und Zusammenhalt der Frauen in Rojava: „Die Frauen sind unser Vorbild“, so die Kinderärztin und Projektteilnehmerin Swaantje Illig.

„Dort leben Frauen aller Religionen und Herkunft zusammen, versorgen sich trotz des Krieges selbst, tauschen Wissen aus und bilden sich und ihre Kinder.“ Ein Vorbild ist Hevrîn Khalaf, die Namensgeberin des Gartens. Die kurdische Politikerin wurde 2019 im Zuge der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien von türkeitreuen Milizen ermordert. Doch ihr Ziel, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen verschiedener Religionen und Herkunft friedlich zusammenkommen, lebt weiter: unter anderem in einem kleinen Heilkräutergarten in Berlin-Neukölln.

Der Artikel wurde im Bild der Frau veröffentlicht.

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